Auf ein Wort: Das "Südniedersachsenproblem"

Südniedersachsen hat große Probleme. Das hat Birgit Honé bei der Eröffnung des Projektbüros in Göttingen deutlich gemacht. Zum einen bescheinigte die Staatssekretärin der Region eine Strukturschwäche, zum anderen hinterfragte sie die „Kooperationskultur in Südniedersachsen“, deren Stärkung eine wichtige Aufgabe des vom Land betriebenen Büros sein werde. „Mindestens 50 Millionen Euro“ der EU in sieben Jahren für vier Landkreise und die Stadt Göttingen sollen es nun richten - wenn sich denn Partner finden lassen, die denselben Betrag noch einmal aufbringen können oder wollen. Im besten Fall wird die Landesregierung also kein eigenes Geld in die Hand nehmen müssen. Dem Argument, dass das „Südniedersachsenprogramm“ damit auf den zweiten Blick ziemlich mickrig daherkommt, wird entgegnet, dass es neben dem Zuckerbrot auch noch die Peitsche dabei hat: den Druck, das „Weniger“ an Geld durch ein „Mehr“ an Zusammenarbeit ausgleichen zu müssen.

Richtig ist: Geld allein löst die Probleme Südniedersachsens nicht. Denn die finanzielle Förderung der Region war in den vergangenen Jahren zwar im niedersächsischen Vergleich vielleicht unterdurchschittlich, aber aufgrund der volleren EU-Töpfe insgesamt höher, als sie es künftig sein wird. Genutzt wurden diese Chancen jedoch nur teilweise. Initiativen wie das „Logistik- & MobilitätsCluster Göttingen / Südniedersachsen“, das „IT InnovationsCluster“ oder auch die Dachmarkenkampagne „geniusgöttingen“ haben es nicht geschafft, über die Anschubfinanzierung hinaus nachhaltige Strukturen zu entwickeln. Anders als der mittlerweile autark agierende „VerpackungsCluster“, das MEKOM-Netzwerk sowie Initiativen, die gar keine Förderung in Anspruch genommen haben - wie beispielsweise Measurement Valley oder auch der im neunten Jahr noch stets gut besuchte „MobilitätsTalk“. Unter dem Strich bleibt: die Region hat es in den vergangenen Jahren versäumt, eine abgestimmte Innovations- und Wachstumsstrategie zu entwickeln und umzusetzen. Hier ist weder Vorsatz im Spiel gewesen, noch gibt es einen einzigen Schuldigen. Aber den Verantwortlichen insgesamt Fahrlässigkeit vorzuwerfen, muss erlaubt sein. Doch wer ist „verantwortlich“? Genau darin liegt eines der Probleme: es gibt nicht die eine, nach innen integrierende sowie nach außen fokussierende Persönlichkeit der Region - auch wenn viele sich gerne so sähen. Und so wird Südniedersachsen nicht als Einheit wahrgenommen. Ein Beispiel dafür ist auch das stiefmütterliche Engagement in der Metropolregion. Es ist keine Strategie erkennbar, ob und wie sich die derzeit noch namensgebende Region „Göttingen“ hier einbringen will. In Hannover, Braunschweig und Wolfsburg wird über diese Schwäche des Südens offen gesprochen - und auch mal die Frage aufgeworfen, wofür man Göttingen überhaupt braucht. Hoffen wir, dass wir das „Südniedersachsenproblem“ mit dem „Südniedersachsenprogramm“ endlich lösen können. Hoffen wir auf die Peitsche des Landes!

 

von Andreas Bosk

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