IHK-Jahresempfang: "Wachstum pausiert nur"

Erhielten 90 Minuten Aufmerksamkeit: Prof. Dr. Ulrich Lehner, David McAllister und Dr. Hannes Rehm (v.l.).

Rund 1.100 Gäste waren am Montag der Einladung der IHK Hannover zum traditionellen Jahresempfang in den hannoverschen Kuppelsaal gefolgt. Auch in 2013 verstehe sich die Kammer vor allem als Dienstleister für ihre Mitglieder, so IHK-Präsident Dr. Hannes Rehm in seinem Vortrag. „Ein solches Verständnis bedeutet ein Zweifaches: ‚Dienen‘ und ‚Leisten‘.“ Im Mittelpunkt der Vorträge standen jedoch die aus Sicht der Wirtschaft drängenden, politischen Fragen. „In der zweiten Jahreshälfte 2012 hat sich die wirtschaftliche Dynamik zwar abgekühlt und den Investitions- und Beschäftigungsaufbau gebremst. Dennoch gehen wir nur von einer Wachstumspause über den Winter aus.

Aufgrund der positiven Signale aus Amerika und Asien, sowie wieder besserer Geschäftserwartungen und einem kräftigen Auftragsplus in der niedersächsischen Industrie blicken wir optimistisch auf den weiteren Jahresverlauf. Eine wesentliche Voraussetzung für diesen Optimismus ist aber, dass es den kriselnden Staaten in Europa gelingt, ihre Probleme in den Griff zu bekommen und das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen“, blickt Rehm voraus. In Bezug auf alle politischen Ebenen und auch in Anspielung auf die bevorstehende Landtagswahl ermutigt er die Politik zugleich: „Die Bürger erwarten Entscheidungen, die langfristig wirken und die nicht nur bis zum nächsten Wahltermin tragen. Das mag für Politiker auf den ersten Blick schwierig sein, da sich die positiven Effekte der Entscheidungen nicht gleich einstellen. Ich bin gleichwohl sicher: Der mündige Bürger wird dies sehr wohl honorieren. Er verträgt mehr Wahrheit als die Politik ihm gewöhnlich zutraut.“ Auf Landes- und Bundesebene seien aus Sicht der Industrie- und Handelskammer vor allem die demographischen Veränderungen, der Fachkräftemangel sowie eine leistungsfähige Verkehrs-, aber auch Energieinfrastruktur die wichtigsten Aufgaben des neu begonnenen Jahres.

 

So seien eine längere Lebensarbeitszeit sowie eine höhere Frauenerwerbsquote notwendig, um die Fachkräftebasis zu verbreitern und nachhaltig zu stärken. Hier gelte es vor allem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern sowie den Zugang zur Ausbildung auch für weitere Gruppen zu öffnen. „Wir müssen immer wieder neue Wege gehen, um den Anforderungen der Unternehmen gerecht zu werden“, so Rehm. Dazu gehöre beispielsweise auch ein besseres Angebot an Studienabbrecher. Die IHK engagiere sich derzeit in verschiedenen Modellprojekten rund um das Thema Ausbildung und Qualifizierung. Trotzdem überschätze die Kammer hier ihre Kräfte nicht und sage nicht, das sie das Problem lösen könne. „Wir können mit einzelnen Projekten aber zeigen, wie es geht und worauf es ankommt“, zeigt sich der Präsident überzeugt. Genauso wichtig wie die Fachkräftesicherung sei jedoch auch eine entsprechende Infrastruktur in den Bereichen Energie und Verkehr. Deutschland brauche einen starken Industriestandort, um Wohlstand und Beschäftigung zu sichern“, mahnt Rehm. Deshalb sei es bei der Energiewende wichtig, dass die Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit für die Wirtschaft - auf die alleine 70 Prozent des bundesweiten Stromverbrauches entfallen - erhalten bleiben. Eine Forderung, der sich auch Ministerpräsident David McAllister (CDU) anschließt. Die Energiewende dürfe nicht dazu führen, dass Arbeitsplätze gefährdet werden. In diesem Zusammenhang regte er auch eine kristische Überprüfung der auf die Energiepreise anfallenden Steuern und Abgaben an. Eine andere Forderung stellt McAllister mit Blick auf den Fachkräftemangel auf: „Die Wirtschaft ist aber auch selbst gefordert. Gute Arbeit verdient faire Löhne. In Branchen ohne Tarifbindung kann eine marktwirtschaftlich organisierte Lohnuntergrenze helfen“. Hier seien die Tarifparteien gefordert, so der Ministerpräsident und erteilt zugleich einem bundesweit einheitlichen Mindestlohn eine Absage.

 

Erschienen im Göttinger WirtschaftsDienst am 9. Januar 2013.

Autor: Andreas Bosk

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