Auf der einen Seite berichten die Krankenkasen in diesem Jahr vermehrt, dass die Zahl psychischer Erkrankungen bei Arbeitnehmern zunehme. Die steigende Komplexität der Arbeitswelt, die ständige Erreichbarkeit durch technischen Fortschritt und der Druck der Wirtschaftslage werden unter anderem als Gründe dafür aufgeführt. Auf der anderen Seite stehen nun die Forderungen, dass die Zahl der Urlaubstage reduziert werden müsse. Wahlweise, um dem Aufschwung auf die Sprünge zu helfen oder aber um der vollen Auftragsbücher Herr zu werden.
Es sind zwei Seiten, die sich scheinbar nur schwer zusammen bringen lassen. Über beide hinaus muss aber eines, damit durchaus zusammenhängendes, klar benannt werden: Kaum jemand schafft es noch, die ihm zur Verfügung stehenden Ruhephasen - egal ob einen Abend, ein Wochenende oder gleich mehrere Wochen - auch zu nutzen. Die geschäftlichen E-Mails auch abseits der Arbeitszeit abzurufen, ist schon längst nichts mehr, das nur für Chefs oder Selbstständige eine Selbstverständlichkeit ist. Die Gedanken frei zu bekommen von den Aufgaben des vergangenen oder des kommenden Tages ist noch eine ganz andere Problematik.
In der heutigen Arbeitswelt haben es viele verlernt, die Ruhephasen, die sie haben, auch als solche zu nutzen. Die Fähigkeit, sich individuelle „Regenrationsinseln“ zu schaffen, scheint ein gefragter „Soft Skill“ für die Zukunft zu werden.
Ihre Charlotte